Verleihung des Frieda-Rosenthal-Preises

Am Freitag, dem 16.09.11 wurde auf der Terrasse des Nachbarschaftshauses ORANGERIE des Nachbarschaftshauses Kiezspinne zum dritten Mal der Frieda-Rosenthal-Preis der Lichtenberger verliehen. Als Sponsorin des Stolpersteins für Frieda Rosenthal hatte ich vor drei Jahren diese Preisverleihung initiiert. Mit dem Frieda-Rosenthal-Preis wird außergewöhnliches haupt- oder ehrenamtliches Engagement für das demokratische Gemeinwesen gewürdigt. In diesem Jahr ging der Preis an Hans Küchler.

Die Verleihungsrede im Wortlaut:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde!

Der Volksmund sagt: Aller guten Dinge sind drei. Zum dritten Male wird in diesem Jahr der Frieda-Rosenthal-Preis verliehen. Und der Preisträger ist in diesem Jahr: ein Mann.

Aber nicht irgendein Mann, sondern einer, der sich mit dem Zustand unserer Gesellschaft nicht zufrieden gibt, einer, der ändern, verändern will, der nicht nur redet: sondern handelt!

Seine Wirkungsstätte ist das Seniorenheim „Am Tierpark“. Hier ist er seit dem Jahr 2002 Heimfürsprecher, kommt jede Woche ein- bis zweimal und besucht alle Wohnbereiche, leitet den Heimbeirat und unterstützt den Pflegebereich mit Rat und Tat, wenn neue Projekte etabliert werden sollen. Und er hat stets das sprichwörtliche „offene Ohr“ für die Heimbewohner und deren Angehörige.

Hans Küchler heißt dieser Mann, er wohnt in der Michiganseestraße, und wer das nicht kennt: es ist die Gegend um die Sewanstraße.

In einem Heim dieser Art – und das kann wohl jeder nachvollziehen – gibt es manchmal auch Probleme zwischen dem Pflegepersonal und den Angehörigen der zu Pflegenden. Hier tritt Hans Küchler als Mediator in Erscheinung, als jemand, der auf niemandes Seite steht: und für beide Seiten das Beste will. Seine ruhige und ausgeglichene Art, sein Feingefühl und seine profunde Kenntnis der Materie lassen ihn rasch zu einem von beiden Seiten anerkannten Schlichter werden.

Ohne Herrn Küchler wäre wohl so manches Nicht-mehr-Problem: ein Immer-noch-Problem!

„Mit seinem großen Engagement für die Belange der Senioren und seiner ruhigen und sachlichen Art, ist er in den vielen Jahren der Zusammenarbeit für uns ein wichtiger Partner und Helfer geworden“, sagt Kati Kühne von ihm, die Geschäftsführerin des Verbundes Lichtenberger Seniorenheime. Eine schönere Würdigung der eigenen Arbeit kann man sich wohl nicht wünschen.

Qualität der Pflege, Altern in Würde und Menschlichkeit: wen bewegen diese Themen nicht? Alles mündet in die entscheidende Frage: Herr Küchler, würden Sie selbst Ihren Lebensabend im „Seniorenheim am Tierpark beschließen wollen“? Ja, er will. Seine Frau und er stehen bereits auf der Warteliste für eine der begehrten Wohnungen im Haus.

Herr Küchler denkt aber auch weit über die Arbeit des Seniorenheims hinaus. So interessierte ihn die Frage, wie man die Lebensmittel, die im Heim nicht verbraucht werden, denen, die sie brauchen, zukommen lassen könne. Kontakt zur Berliner Tafel wurde aufgenommen und eine regelmäßige Abholung der Lebensmittel organisiert – eine Praxis, der inzwischen andere Seniorenheime folgen.

Seit dem Jahr 2005 bis zum heutigen Tag arbeitet er in der Lichtenberger Seniorenvertretung mit. Diese Funktion weitete seinen Blick, er lernte andere Einrichtungen und viele interessante Gesprächspartner kennen. Er sagt aber auch: „Man muss in den Gremien kleine Brötchen backen.“ Und: „Ich sehe die Welt ja positiv, aber vieles würde ich schneller machen, als ich es in der Politik erlebe. Viele Leute gehen nicht zur Wahl, aber schimpfen den ganzen Tag. Leute, die nur heiße Luft verbreiten, kann ich nicht leiden. Ich suche immer nach Lösungen.“ Konstruktiv sein ist ein Schlüsselwort, wenn Herr Küchler redet.

Und noch eine Besonderheit von Hans Küchler will ich erwähnen. Ihm sind auch die Arbeit und das Befinden der Mitarbeiter des Seniorenheimes am Tierpark wichtig. So besucht er sie jede Woche, geht von Zimmer zu Zimmer, und wenn er kommt, wissen die Mitarbeiter: es ist wieder Donnerstag! Das weiß man ja manchmal nicht, aber Herr Küchler erinnert jeden daran: Donnerstag ist Küchlertag!

Herr Küchler, Funkmechaniker, Techniker, Ingenieur und Ökonom, ist – ich will das Alter nicht nennen – im Ruhestand. Er könnte sich ausruhen, könnte seinen Lebensabend genießen, könnte, dürfte nichts tun: aber genau dieses tut er nicht! Er mischt sich ein, unzufrieden, mit dem, was ist: und verändert quasi nebenbei die Welt.

Menschen wie Herr Küchler werden gebraucht. Ohne sie bleibt die Gesellschaft stehen, verändert sich nicht, verbessert sich nicht. Und wenn sie sich verbessert, dann waren Menschen wie Herr Küchler am Werk.

Ich rechne es mir zur Ehre an, Sie, lieber Herr Küchler, heute mit dem Frieda-Rosenthal-Preis auszeichnen zu dürfen!