von Matthias Vernaldi
Seit 15 Jahren wohne ich hier in der Stuttgarter Straße im nördlichen Neukölln. Obwohl schon immer mit einer deutschen Staatsbürgerschaft versehen, bin ich, wie viele hier, als Flüchtling gekommen – nicht als politischer oder wirtschaftlicher, sondern als ein Assistenzflüchtling. Ich sitze im Rollstuhl und kann mich nicht bewegen. So brauche ich immer einen, der mich kratzt, wenn’s juckt, zur Toilette bringt, wenn’s drückt, mich füttert, wenn mich hungert, mir beim Abhusten hilft, wenn’s röchelt… Vor meiner Flucht hatte ich im Altenburger Land in Thüringen gewohnt. Das dortige Sozialamt war der Auffassung, die Leute, die mir durch Pflege und Assistenz ein halbwegs selbstbestimmtes Leben ermöglichten, könnten das nebenher und ohne Bezahlung tun. In Berlin hingegen gab es Chancen, dass diese Hilfen finanziert wurden. So geriet ich hierher.
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