Pestizidrückstände in Gurken?

Am 27.02.09 berichtete Stiftung Ökotest (http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?doc=92334) über Pestizidrückstände in Salatgurken, verschiedene Zeitungen griffen dieses Thema auf. Ich fragte deshalb bei der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz und dem Landeslabor Berlin-Brandenburg nach und erhielt folgende Auskunft für Berlin.

„In 2008 wurden 29 Gurken auf Pestizide untersucht, mit verschiedenen Herkünften – überwiegend aus Spanien, Türkei, Deutschland. Die nachgewiesenen Substanzen (zwischen 50-500 Einzelwirkstoffe) überschritten die zulässigen Höchstmengen nicht. Im Jahr 2009 wurden bisher 3 Gurkenproben untersucht. Für die Monate April und Juni sind saisonbedingt weitere Probenahmen von Gurken in Berlin für die Rückstandsuntersuchung geplant. Das LLBB hat hinsichtlich Bioprodukten mitgeteilt, dass in den letzten Jahren schon lange keine Rückstände mehr bei Bioprodukten nachgewiesen wurden, und die im Ökotest veröffentlichten Ergebnisse nicht nachvollzogen werden können.

Die Auffassung von Ökotest hinsichtlich des im Text erwähnten Wirkstoffes Procymidon wird vom LLBB geteilt. Aus dem Text geht allerdings nicht hervor, wie hoch der gemessene Gehalt war, so dass die von Ökotest geführte Argumentationslinie hier schwer nachvollzogen werden kann…

Allgemein ist zu bemerken, dass aus dem Text in Ökotest nicht erkennbar ist, wie viel Proben pro Messreihe untersucht wurden und, ob statistische Schwankungen berücksichtigt wurden. Erst mit diesen Informationen lässt sich eine konkretere Risikofolgenabschätzung für den Verbraucher durchführen.

Ebenfalls ist es aus fachlicher Sicht kritisch…wenn eine ARfD-Ausschöpfung (ARfD – Akute Referenzdosis – akute Wirkung einer Substanz) von 50 % bemängelt wird. Der ARfD-Wert wurde vor einigen Jahren „eingeführt“, um neben einer statistischen Höchstmenge einen zweiten Wert zu haben der die Möglichkeit bietet aktuelle Untersuchungsergebnisse, wie z.B. Verzehrsmengen bzw. Alter etc. einfließen zu lassen. Erst wenn eine Höchstmenge überschritten und ein ARfD-Wert zu 100 % ausgeschöpft ist, kann gemäß AVV Schnellwarnung überhaupt eine Schnellwarnung ausgelöst werden. Mit der Aussage „Ausschöpfung 50 %“, ohne weiteren Bezug, erreicht man nur eine Verunsicherung der Verbraucher anstatt objektiv zu informieren.“