Lichtenberger SPD verleiht Frieda-Rosenthal-Preis

Foto: Birgit Monteiro überreicht Anna Franziska Schwarzbach den  Frieda-Rosenthal-Preis Rede zur Verleihung von Birgit Monteiro:
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten!

Die Lichtenberger SPD verleiht heute erstmals den Frieda-Rosenthal-Preis.

Der eine oder die andere von Ihnen erinnert sich vielleicht daran, dass Frieda Rosenthal, diese mutige, streitbare und besondere Frau vor fast genau einem Jahr, nämlich am 01.10.2008, mit einem Stolperstein an ihrem Lichtenberger Wohnort in der Fanninger Str. 53 geehrt wurde.

(Am Rande sei erwähnt, dass Mitglieder der Lichtenberger SPD weiterhin die Verlegung von Stolpersteinen befördern, so steht in Kürze die Verlegung eines Stolpersteins für den Sozialdemokraten Arthur Dreyer bevor.)

Erlauben Sie mir bitte auch heute mit ein paar Sätzen an die Namesgeberin des zu verleihenden Preises zu erinnern:

  • Frieda Rosenthal, geboren 1891, war beruflich als Fürsorgerin tätig und seit 1924 in Berlin Stadtverordnete, anfangs für die KPD.
  • Als sie sich gegen den stalinistischen Kurs der KPD-Führung engagierte, wurde sie aus der KPD ausgeschlossen.
    Später trat sie in die SPD ein, für die sie 1932-1933 Stadtverordnete in Kreuzberg war.
  • Allerdings wurde sie auch in der SPD nie ganz heimisch, deshalb wechselte sie zur Sozialistischen Arbeiterparte Deutschlands (SAP).
  • 1933 gehörte sie zu den ersten, die von den Nazis aus dem Bezirksamt entlassen wurden.
  • Sie leistete aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime, verteilte u.a. Zeitungen und andere Druckschriften.
  • Am 19. August 1936 wurde Frieda Rosenthal verhaftet, in strenge Einzelhaft genommen, brutal verhört und misshandelt.
  • Weil sie fürchtete, ihre Mitstreiter zu verraten, erhängte sie sich noch immer in Haft am 15. Oktober 1936.

Ich freue mich sehr, Ihnen heute die erste Preisträgerin des Frieda-Rosenthal-Preises der Lichtenberger SPD vorstellen zu dürfen.

„Meine Augen sehen nicht so viel wie meine Hände.“, sagt sie, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Und „Ich zeichne den Menschen maximal eine Stunde, danach werde ich zu routiniert.“ Sie merken, ihre Arbeit ist für sie nicht einfach irgendeine Arbeit, sondern Berufung und Lebensinhalt.

Ich spreche von Anna Franziska Schwarzbach, Architektin und Bildhauerin.

Geboren 1949 in Rittersgrün, studierte sie nach dem Abitur Architektur an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und war von 1973 bis 1975 als Architektin am Berliner Palast der Republik mit Arbeiten am Theatersaal beschäftigt. Von 1975 bis 1979 absolvierte sie ein Abendstudium der Porträtplastik und seit 1977 ist sie als freischaffende Bildhauerin tätig.

Franziska Schwarzbach, bekannt durch Ausstellungen von Paris bis Bagdad, von Völklingen bis Österitz, wird aber heute nicht nur, nicht in erster Linie für ihr künstlerisches Werk geehrt. Sondern für Ihr Engagement, die Erinnerung an die Opfer der Nazizeit wachzuhalten.

Die Erinnerung wach halten durch Denkmäler, durch Skulpturen. Skulpturen, die auch heute noch viel zu oft am liebsten versteckt werden, viel zu selten an prominenten Orten die Erinnerung bewahren.

So musste es Franziska Schwarzbach mit ihrer Skulptur zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Euthanasieverbrechen erleben. „Als Bildhauerin hatte sie einen Menschen mittleren Kindesalters modelliert, der an alle kranken und behinderten Kinder erinnert, die über ganz Deutschland gesammelt und nach bestimmten Verwaltungsprozeduren zum Tode bestimmt und getötet wurden. Er steht auch für diejenigen unter ihnen, die in ihrem Tode als Opfer für die Forschung „verbraucht“ wurden und damit zu Opfern einer entfesselten Forschungsneugier wurden.“ So beschreib es bei der Einweihung des Denkmals Jens Reich.

Über zehn Jahre dauerte es mitten in Deutschland, ja hier ganz in der Nähe, nämlich in Berlin-Buch bis diese Skulptur auf dem Gelände des Klinikums Buch aufgestellt werden konnte. Und Franziska Schwarzbach kam sich nicht nur einmal wie in der Geschichte vom Hase und vom Igel vor. Immer, wenn ein geeigneter Ort zum Aufstellen der Skulptur gefunden war, wollte es der Zufall, nein – dies so zu bezeichnen wäre eine Beschönigung, immer wenn ein Ort gefunden schien, wollten es also Menschen, Entscheidungsträger dass justament diese oder jene andere, sicherlich ebenfalls künstlerisch wertvolle aber inhaltlich doch eher beliebige Skulptur am ausgewählten Ort ihren Platz finden sollte.

Aber Franziska Schwarzbach ließ sich nicht abschütteln. Und dieses Durchhaltevermögen hat sie sich bis heute bewahrt. Heute, wo es ihr in einem neuen Projekt darum geht, mit einer Porträtplastik das Andenken an eine der letzten Überlebenden dieser medizinischen Experimente am lebenden Objekt, also am lebenden Menschen, wach zu halten.

Und auch heute geht es nicht ohne Kampf. Und auch noch heute gilt es Widerstände zu überwinden.
Und das ist das eigentlich Traurige, das eigentlich Bedenkliche.

Ich darf Ihnen nun, liebe Franziska Schwarzbach, den Frieda-Rosenthal-Preis für außergewöhnliches Engagement für das demokratische Gemeinwesen überreichen. Und Ihnen weiterhin Kraft, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen wünschen.

Und ich versichere Ihnen: Mit dieser Ehrung unterstützt die Lichtenberger SPD Ihr Engagement. Wir stehen an Ihrer Seite und mit uns gemeinsam viele, viele Menschen!
Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank Franziska Schwarzbach!

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