Finanzmärkte brauchen Glasnost und Perestroika

Die Finanzwelt ist aus den Fugen. Banken, nicht nur private, stehen vor dem Zusammenbruch. Der Staat, der bis gestern zur Zurückhaltung gegenüber Finanz- und Wirtschaftswelt aufgefordert wurde, pumpt unvorstellbar hohe Summen ins kollabierende System. Mangelnde Kontrolle der Finanzmärkte ist eine, wenn nicht sogar die wesentliche Ursache für die derzeitige Krise. Jetzt soll alles anders und vor allem besser werden. Fragt sich nur, wie. Deutsche Bank Manager Ackermann und die Anwälte der Kanzlei Freshfields, die weltweit der Finanzindustrie zu Diensten ist, wirkten wie selbstverständlich am Gesetzentwurf für den „Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung“ (Soffin) mit. Weiterlesen

SPD und PDS – ein persönlicher Bericht

Aus meiner Rede auf einer Kreisvollversammlung der SPD-Lichtenberg zum Verhältnis zur PDS im Jahr 2000

Heute bin ich 31 Jahre alt.

Mit 18, also 1987, trat ich in die SED ein. Ich war 100%ig von der Überlegenheit des Sozialismus überzeugt.

Ob die SED nun Gutes oder Unfug trieb, ich wollte zu denen gehören, die den Kurs bestimmten. Widerstand- oder Bürgerrechtsgruppen kannte ich damals nicht.

In der SED traf ich Freunde und Idioten, Reformer und Betonköpfe, ehrliche Parteiarbeiter und Karriereristen.

Am Tag als der “Sputnik” verboten wurde und für mich die Zeit zum öffentlichen Protest gekommen schien, schüttelten die Arbeiter in dem Werk, in dem ich gerade eine Ausbildung absolvierte, desinteressiert den Kopf. Das Sputnikverbot interessierte dort und an zu vielen anderen Orten niemanden.

Radikal und unversöhnlich war ich gegenüber Unentschlossenen und Zauderern. Konnte man ein guter Mensch sein und sich trotzdem nicht für Politik interessieren?

Gorbatschow und die Perestroika kamen, ich hielt in der SED Vorträge über Gorbis Thesen, rechnete vor, wer die dort vorgeschlagene Amtszeitbegrenzung bereits überschritten habe. Ich gestaltete eine Wandzeitung über Sinn und Unsinn des 40.Republikgeburtstages. Meine größten Kritiker (“Du rüttelst an den Grundfesten des Sozialismus.” und meine größten Verteidiger kamen aus der SED.

Als besonders belastend empfand ich immer den Stil der innerparteilichen Auseinandersetzung. Wie erbittert und hart die Auseinandersetzung “unter Freunden” geführt wurde, war mir unverständlich.

Die Wende kam.

Ich konnte mich nicht so recht freuen, über meine Landsleute, die aufgeregt und enthusiastisch die 100 DM Begrüßungsgeld in Empfang nahmen.

Ich konnte mich nicht freuen, über 200%ige Genossen, die flink die Seiten wechselten.

Ich blieb in der SED.

Ich wollte zu meiner Vergangenheit und zu meiner Verantwortung stehen.

Ich verfolgte den SED-Parteitag, auf dem Gregor Gysi zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. Sein Elan und seine Kampfeslust taten gut.

Rudolf Bahro, der Verfasser der “Alternative”, der u.a. deshalb aus der SED ausgeschlossen worden war, trat auch auf. Die Delegierten empfingen ihn mit Häme und Unverständnis. Diese Intelligenzfeindlichkeit, die Art, wie andere Ideen, die nicht mehrheitsfähig waren, abgelehnt wurden, schmerzten mich.

Bei Veranstaltungen mit der PDS-Führung fühlte man sich heimisch in einer bunten Truppe; alternativ und weltoffen wurde diskutiert.

Daheim an der Basis: Beton, Schubladendenken, Klassenkampf-Rhetorik.

1991 arbeitete ich einen Monat in einer internationalen Brigade in Cuba. Es war eine Reise in die Vergangenheit. Ich hatte mich, ohne es zu merken, verändert. Ich konnte nicht mehr die Klappe halten zu Personenkult und westlicher Revolutionsromantik (Viva la revolucion, aber bitte mit Coca-Cola und Westschokolade) und die 2-Klassengesellschaft im Campamento (Mitglieder der Bruderparteien waren etwas Besseres als die Normalos).

Ich kam nach Deutschland zurück und wusste: Mein Platz kann nicht mehr in der SED-PDS sein.

Ich nahm eine politische Auszeit.

Ich studierte Geschichte, las Luxemburg, Kautsky und Bernstein im vollen Wortlaut. Schrieb später meine Magisterarbeit über die Ostberliner SPD bis 1961.

Ich wollte nicht ohne Politik leben. Die Grünen gefielen mir, aber ich bin nicht grün.

An der SPD faszinierte mich vor allem ihre Geschichte.

Friedrich Schorlemmer und Thomas Krüger trugen damals nicht unwesentlich zu meiner Entscheidung für die SPD bei.

Anfang 1995 stellte ich in der Abteilung Karlshorst meinen Aufnahmeantrag. Nicht wenige Sozialdemokraten dort waren skeptisch gegenüber dem einstigen SED-Mitglied. Es wurde sogar vorgeschlagen, eine Kandidatenzeit einzuführen.

Aber ich wurde Mitglied der SPD.

In der SPD traf ich Freunde und Idioten, ehrliche Parteiarbeiter und Karrieristen.

Ich glaube an die Demokratie….

Ich finde es schade, dass nicht mehr SED-Mitglieder, den Weg zur SPD gefunden haben.

Ich finde es schade, das sich viele Menschen auch durch uns ausgegrenzt fühlen und deshalb als kleine, aber um so süßere Rache die PDS wählen.

Lasst uns eine Politik machen, die nicht noch mehr Wähler in die Arme der PDS treibt…

Vita

Persönliches

  • geboren 1969 in Strausberg
  • verheiratet, zwei Töchter
  • Motto: Jeder Mensch hat mehr als eine Chance verdient.

Berufliche Laufbahn

  • ab Dezember 2016: Lichtenbergs stellvertretende Bezirksbürgermeisterin
  • Januar 2015 – Dezember 2016: Lichtenberger Bezirksbürgermeisterin
  • 2011 – Januar 2015 außerdem Geschäftsführerin der VskA-Tochtergesellschaft –  GskA gemeinnützige Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit mbH (http://www.gska-berlin.de/)    
  • Mai 2010 – Januar 2015 Geschäftsführerin des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit (VskA)
  • Januar 2000 – April 2010: Geschäftsführerin des Nachbarschaftlichen Interessenverbundes Kiezspinne FAS e.V. in Berlin-Lichtenberg
  • 1999-2000: Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an Friedländer-Schule, Berlin
  • 1998-1999: Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an Mittelschule und Gymnasium in Tatabánya (Ungarn)

Schul- und Berufsausbildung, Studium

  • 2005-2008 Alice-Salomon-Hochschule Berlin/ Paritätische Akademie: Berufsbegleitendes Studium Sozialmanagement, Master of Arts
    Masterthesis: “Wie offen sind offene Bereiche in Nachbarschaftsheimen?”
  • 1994-1996 Zusatzstudium “Deutsch als Fremdsprache”
  • 1991-1998 Humboldt-Universität zu Berlin: Magister Geschichte/Germanistik
    Magisterarbeit: “Die halblegale Partei: Die Ostberliner SPD 1958-1961″
  • 1989-1991 Hochschule für Ökonomie, Berlin
  • 1986-1989 Berufsausbildung mit Abitur zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser, Neuenhagen bei Berlin
  • 1976-1986 Polytechnische Oberschule, Strausberg

Politisches

  • 22. Januar 2015 Wahl zur Lichtenberger Bezirksbürgermeisterin durch die Bezirksverordnetenversammlung
  • 2011 – Januar 2015 Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreis 4 in Lichtenberg
    Funktionen in der Fraktion:

    • Arbeitsmarktpolitische Sprecherin
    • Sprecherin für Behindertenpolitik
  • 17.09.2006 gewählt ins Abgeordnetenhaus Berlin
  • 2001 – 2006 Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg
    • Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses “Soziales und Mieterinteressen”
    • Mitglied im Haushaltsausschuss und im Projektteam zum Bürgerhaushalt, Sozialpolitische Sprecherin
  • Seit 1995 Mitglied der SPD, verschiedene Funktionen im Kreis- und Abteilungsvorstand
  • 1987-1991 Mitglied der SED (SPD und PDS – ein persönlicher Bericht)

Weitere Mitgliedschaften

Hobbys

  • Lesen
  • Reisen
  • Sprachen (Portugiesisch, Ungarisch)

Wie gut ist die stationäre Pflege in Berlin?

Das fragt man sich nicht erst seit den letzten Meldungen über den missbräuchlichen Medikamenteneinsatz zur Ruhigstellung von Pflegebedürftigen, um deren Einstufung in eine höhere Pflegestufe zu erreichen. Zur Erinnerung: In Berlin gibt es derzeit ca. 500 stationäre Einrichtungen mit knapp 27.000 Bewohnern.

Jeder Leiter eines Pflegeheimes sollte m.E. folgende Frage beantworten:

Würden Sie Ihre eigene Mutter/ Ihren eigenen Vater ohne Bedenken in Ihrem Heim betreuen lassen?

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Kontakt

Kontakt

Meine aktuellen Kontaktinformationen finden Sie auf den Seiten des Bezirksamtes.

Verlegerin im Sinne des Presserechts

Birgit Monteiro
Möllendorffstraße 6

10367 Berlin

E-Mail (nicht für Bürgeranliegen!): buergerbuero@birgit-monteiro.de

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Die Rechte aller Bilder liegen bei Birgit Monteiro, sofern im Umfeld des jeweiligen Bildes oder dessen Metadaten nichts anderes angegeben ist.

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    Das Bild wurde nachträglich noch weiter bearbeitet und steht somit wieder unter der gleichen Lizenz zur Verfügung..
  • Zeichnung Briefumschlag: CC BY 2.0 https://www.flickr.com/photos/xverges/5041095604

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Gewalt gegen Frauen mit Behinderung

PDF (49,5  kB) Kleine Anfrage: Gewalt gegen Frauen mit Behinderung, Drucksache 12304

Kleine Anfrage
der Abgeordneten Birgit Monteiro (SPD)
vom 09. Juni 2008 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 30. Juni 2008) und Antwort
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

1. Wie viele Fälle von Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderung gab es in Berlin seit Vorlage des Behindertenberichtes 2006 im August 2006 (DS 15/5469)?

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Nach dem Mord an Benazir Bhutto: Trauerkundgebung in Berlin

Tagesspiegel vom 30.12.2007, S.10

Vor dem Brandenburger Tor haben am Samstagnachmittag knapp 50 Personen der ermordeten pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto gedacht. Veranstaltet wurde die Trauerkundgebung von der Deutsch-Pakistanischen Gemeinschaft für Kultur und Demokratie.

Shahid Riaz, Vorsitzender der Deutsch-Pakistanischen Gemeinschaft, sagte, dass der „Kampf für die Demokratie“ noch ein langer Weg sei. Der Bundestagsabgeordnete Josef Winkler (Grüne) sagte, dass die „deutsch-pakistanische Freundschaft sich jetzt erst recht verfestigt – für die Demokratie“. Die Abgeordnete Birgit Monteiro (SPD) sprach ihre Bewunderung für Bhutto aus und nannte sie „in Anbetracht der pakistanischen Verhältnisse ein Symbol für Demokratie“.

Hki

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Weihnachtliche Bürgersprechstunde am 19.12.07 im Interkulturellen Bürgercafé, Münsterlandstr. 33

Trotz Vorweihnachtsstresses nutzten interessierte Bürgerinnen und Bürger die Bürgersprechstunde bei Kaffee und Stolle.

Sie informierten sich u.a. zu Fragen des Wechsels des Stromanbieters, zu behindertenrechtlichen und allgemein politischen Fragen.

Ein herzliches Dankeschön an die Gastgeber im Interkulturellen Café für die liebevolle Vorbereitung der Bürgersprechstunde!

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