Frau M. ist traurig

Keine Weihnachtsgeschichte, aber eine wahre Geschichte. Aufgeschrieben von
Herbert Scherer. Frau M. ist eine MAE-Teilnehmerin, so werden die sog.
1-Euro-Jobber genannt. MAE=Mehraufwandsentschädigung.

Frau M. ist eine MAE-Teilnehmerin. Frau M. wurde von einem „Träger“ an eine „Einsatzstelle“ geschickt, um sich dort gemeinnützig und zusätzlich zu betätigen. Frau M. soll Jugendarbeit machen. Das liegt ihr nicht. Erstens hat sie davon keine Ahnung und zweitens hat sie ein Alkoholproblem. Sie ist nicht auffällig, kein Sperrvermerk im Führungszeugnis. Frau M. hat darum gebeten, sich nützlich machen zu dürfen. Putzen kann sie. Das tut sie gern. Sie möchte unbedingt sauber machen. Es wird gestattet. Alle finden gut, wie sie das macht. Sie freut sich über lobende Worte. Wenn da nur nicht die Kontrolletis vom Jobcenter wären. Gestern wurde sie zum dritten Mal beim Putzen erwischt. Jetzt gibt es kein Pardon mehr. Schluss. Dem „Träger“ wird die Pistole auf die Brust gesetzt. Er zieht Frau M. und alle anderen MAEs von der solchermaßen verbrannten Einsatzstelle ab. Seit heute beaufsichtigt Frau M. ein Internetcafe für Jugendliche. Das liegt ihr nicht. Erstens hat sie davon keine Ahnung und zweitens hat sie ein Alkoholproblem. Frau M. ist traurig.