Was für ein Mensch – was für eine Preisträgerin: Evelin Pakosta

Am 07.09.2012 wurde Evelin Pakosta mit dem Frieda-Rosenthal-Preis ausgezeichnet.

Sie ist ein ganz besonderer Mensch. Das durfte ich in den vielen Jahren, in denen ich sie kenne, erleben. Und dies bestätigten mir die Gespräche, die ich im Vorfeld der Preisverleihung führte und die in meine Laudation einflossen.

„Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, sehr geehrte Damen und Herren!

Der Frieda-Rosenthal-Preis wird heute zum vierten Mal verliehen.

Bisherige Preisträger waren die Bildhauerin Franziska Schwarzbach, der Theologe und Sänger jüdischer Lieder Olaf Ruhl und der Heimbeirat aus dem Seniorenheim in der Sewanstraße, Hans Küchler.

Im Jahr 2012 zeichnen wir eine Frau aus.

Sie ist jung. Jung, was ihre Art zu leben betrifft. Jung in Bezug auf ihr tägliches Arbeitspensum.

Sie wurde 1946 in Wernigerode geboren.

Sie ist gelernte Handelskauffrau, war beim Konsum, in einer FDJ-Kreisleitung, als Heimleiterin, bei Autolicht Krause und Backwaren Wernigerode und als Ökonomin beim VEB Elektroprojekt und Anlagenbau in Berlin beschäftigt.

Nach der Wende war sie wie so viele arbeitslos, 5 Monate lang, sie absolvierte dann eine Umschulung zur Fachangestellten für Arbeitsvermittlung und Arbeitsberatung und war anschließend im Arbeitsamt tätig. Den Nutzen dieser internen Behördenerfahrung haben seitdem die vielen Hilfesuchenden der Sozialberatung, die Evelin Pakosta mit Leidenschaft ausübt.

Ihr Engagement ist darüber hinaus sehr vielfältig. Sie selbst sagt: „Ich kann nicht alles aufführen, was ich tue und erlebt habe. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich ein Buch. Aber ich habe keine Zeit.“

Sie war Mitglied der BVV Lichtenberg und ist seit vielen Jahren Bürgerdeputierte im Sozialausschuss. Dr. Wolfram Friedersdorff, von 1995 bis 2001 Lichtenberger Bürgermeister, erinnert sich: „Gewichtig, oft kurzatmig kam sie in die politischen Gremien des Bezirkes und die vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen. Zeit zum Durchschnaufen nahm sie sich in der Regel nicht. Sie scheute weder die Diskussionen noch die praktische Arbeit. Das, was ich in den 90er Jahren erlebte, hat sich so fortgesetzt bis heute. Es liegt in ihrem Naturell, dass sie die Geschicke anderer Menschen nicht gleichgültig lassen. Und es ist gut, dass sie diese Empathie mit politischem Handeln verbindet.“

Die diesjährige Preisträgerin ist engagiertes Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Berlin-Lichtenberg. Aktuell ist sie hier Schatzmeisterin, weil ihre Mitwirkung und Unterstützung gebraucht wurde. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist ihr ein wichtiges Anliegen, sie organisiert deshalb vielfältige Ausstellungen und Veranstaltungen.

Seit vielen Jahren ist sie Mitglied im Verein und im Vorstand des Kiezspinne FAS e.V.

Ich kenne sie seit 12 Jahren. Damals war der Vereinssitz des Kiezspinne FAS noch im Keller der Harnackschule in der Schulze-Boysen-Straße 20. In Vorbereitung eines Kiez-Kultur-Festes fuhren wir mit einem alten VW-Bus durch den Kiez. Ich war damals froh, am Steuer zu sitzen, denn so kam ihr die Aufgabe zu, per Megaphon die Nachbarn zur Teilnahme am bevorstehenden Fest zu motivieren.

Das Herzstück ihres Engagements ist seit vielen Jahren die ehrenamtliche Sozialberatung. Es ist schwer einzuschätzen, wie viele Anträge an Ämter und Behörden sie geschrieben hat, wie viele Telefonate mit Wohnungsbaugesellschaften, Gas- oder Energieversorgern, Banken, Inkassounternehmen und Schuldnerberatungen sie geführt hat. Eine Freundin von ihr sagte mir: „In ihrem Wohnzimmer sitzen Leute, denen möchte ich nicht auf der Straße begegnen.“ Ja, ihr Wohnzimmer steht auch denjenigen offen, denen andere Türen verschlossen bleiben, in ihrem Wohnzimmer setzt sie die Sozialberatung mit beträchtlichem Aufwand an Zeit fort. Das Erstaunlichste ist, dass sie ihre Zielgruppe ohne Handzettel und Hochglanzbroschüren erreicht. Die Schwächsten der Schwachen, Migranten, sogar Analphabeten. Als Gegenleistung für ihre Hilfe ermuntert sie Hilfssuchende zum ehrenamtlichen Engagement, vermittelt ihnen, dass „nichts tun nichts ändert“. Sie ist in diesem Ansatz nur teilweise erfolgreich und gibt ihn trotzdem nicht auf.

Christel Schemel, die Vorsitzende der Monimbo-Wandbild-Initiative, auch in dieser engagiert sich die diesjährige Preisträgerin, sagte mir: „Ich kenne keinen Augenblick, in dem sie sich nicht ansprechen ließ. Sie hat, wenn man sich hilfesuchend an sie wandte, das Anliegen, das Problem nie beiseite geschoben. Vorgänge, bei denen sie Möglichkeiten sah zu helfen, hat sie bis zur Lösung verfolgt. Eine Veranstaltung mit sichern, einem wohnungssuchenden Arbeitslosen helfen, auch Vertrauen erleben unter gefallenen Menschen, die drogenabhängig sind, das alles tut sie, weil sie sehr sozial, sehr uneigennützig denkt – und handelt. Die Freunde, die man morgens um vier Uhr anrufen kann, die zählen. Diese Momente habe ich mit ihr – mit Evelin Pakosta erlebt.“

Evelin Pakostas zweite wichtige Begabung ist die Gewinnung von prominenten Gästen für besondere Veranstaltungen wie Heinz Florian Oertel und Marianne Buggenhagen für den Besonderen Freitag. Und manchmal gelingt es ihr sogar, dass die Gäste nicht nur nichts den Veranstalter kosten, sondern selbst noch Geld mitbringen. Dafür gebührt ihr großer Dank.

Schließen möchte ich mit dem Lichtenberger Bürgermeister, Andreas Geisel:

„Wenn ich es richtig bedenke, kenne ich Evelin Pakosta jetzt schon seit fast 20 Jahren. Wo immer ich in der Frankfurter Allee Süd hingehe, welche Veranstaltung auch immer ich besuche, Frau Pakosta ist schon da. Sie berät Bürger, sie demonstriert für das Hubertusbad, sie fotografiert die Veranstaltungen der Kiezspinne und wenn der Finanzsenator über die Haushaltsentwicklung Berlins streitet, dann sitzt Frau Pakosta schon vor ihm. Die Bandbreite ihres Engagements ist enorm, aber das Eintreten für die Menschen steht jedes Mal im Mittelpunkt. Frau Pakosta lebt die Demokratie und hält die Demokratie deshalb vor Ort am Leben. Ohne Menschen wie Evelin Pakosta ginge das nicht. Chapeau und Respekt!“

Herzlichen Glückwunsch, Evelin Pakosta!“

 

1 Antwort
  1. Christiane
    Christiane says:

    Herr Geisel kennt Evelin Pakosta fast 20 Jahre,aber ich kenne sie viel länger , nämlich seit 1965 . Ich freue mich so sehr, daß sie nun endlich öffentlich geehrt wird für ihren Einsatz und ganz dolle stolz auf meine Freundin.

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