Menschen begegnen sich: Gastbeitrag von Evelin Pakosta, Lichtenberger Gastgeberin des Taizé-Treffens zum Jahreswechsel

Junge Menschen aus ganz Europa kamen vom 28.12. 2011 – 1.1. 2012  nach Berlin, um mit den Brüdern der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé (Frankreich) und mit uns ein Fest auf dem „Weg des Vertrauens“ zu feiern. Nicht erst der Beitrag in der Orangerie Nr. 6/11 ließ mich überlegen, einen Schlafgast aufzunehmen. Obwohl nicht an einen Glauben gebunden, war ich neugierig, was bewegt junge Menschen, sich aus den europäischen Ländern zu treffen, zu beten, zu singen und zu diskutieren. Dazu kommt, dass wir seit einiger Zeit mit der Ev. Kirchengemeinde Alt Lichtenberg Gemeindezentrum Am Fennpfuhl Hilfe und Unterstützung für die Ratsuchenden der Sozialberatung erhalten. Einmal in der Woche ist es uns möglich, die Essenausgabe von -Laib und Seele- in Anspruch zu nehmen.

Dieses Engagement der Mitarbeiter (ehrenamtlich tätig) war Anlass genug, durch mit der Beherbung eines Schlafgastes ein Dankeschön abzustatten.


Mittels Vorabinfos meldete ich mich bei Jens Galley an und ohne großen organisatorischen Aufwand erwartete ich am 28.12.2011 meinen Schlafgast. Gegen 11.00 Uhr klingelte es und vor mir stand Anna Terra Verhage und wie angesagt mit Schlafsack und Luftmatratze.

Bei einer Tasse Tee erzählte mir Anna, dass Sie Studentin an der Universität Utrecht sei, dort Latein und Philosphie studiere und ihre Eltern in Haarlem wohnen.
Sie inspizierte die Wohnung und ich zeigte ihr die Küche, Bad und nach kurzem Gespräch waren wir uns einig. Sie freute sich in eine kleinen warmen Wohnung mit Dusche und Küche übernachten zu können  und sich selbstständig bewegen zu können. Der Tag begann früh um 8.30 Uhr  mit dem ersten Gebet in der Ev. Kirchengemeinde Alt Lichtenberg Gemeindezentrum Am Fennpfuhl und endete nie vor 22.00 Uhr. Aber junge Leute haben ja Stehvermögen.

Zu später Stunde haben wir uns dann unterhalten und während dieser Abend- und Nachtgespräche habe ich Ihr angeboten als kleines Gastgeschenk eine Stadtrundfahrt mit ihr zu machen. Bei diesem Vorschlag kam heraus, dass Anna in Nicaragua geboren wurde, denn ihre Eltern sind aktiv als Entwicklungshelfer tätig und sie selber hat mehrere Monate als Heranwachsende in Nicaragua gelebt.
Diese Information musste unbedingt bei der Stadtrundfahrt einfließen, so dass unbedingt das Giebelwandgemälde aus dem Jahre 1985 „Nicaraguanisches Dorf – Monimbó 1978“ von Manuel García Moia an der Lichtenberger Brücke besichtigt werden sollte.

Es war kein Silvesterscherz, am 31.12.2011 ging es mit Unterstützung von Roswitha Tack los. Es war keine Stadtrundfahrt im eigentlichen touristischen Sinne, es flossen also viele Informationen über die Entstehung von Lichtenberg, die politische Entwicklung im Allgemeinen, das Bestehen von Berlin (2012 wird 775 Jahre Berlin-Jubiläum gefeiert), Religion, Baukunst, Industrialisierung und das immer an erläutert an Bauten aus der Vergangenheit und Gegenwart.

Da Anna einem strengen Zeitplan unterlag, war es keine ausführliche Stadtrundfahrt, aber das was sie sah, war für sie beeindruckend und eine Stadtrundfahrt dient ja auch dazu, Appetit auf die Stadt zu machen. Ich glaube dass ist gelungen.

Was das Schöne war, ist dass in den Aktivitäten auch der Bürger mit eingebunden wurde und sich einbringen konnte.
Anna war zumindest von der Atmosphäre sehr angetan, denn u.a. war sie am 01.01.2012 noch zu einer sehr schönen Messe in der Alten Pfarrkirche am Loeperplatz mit Pfarrer Peter Radziwill oder sie besuchten das Seniorenheim am Loeperplatz und erzählten den Senioren über dieses Fest und wer singen wollte, wurde hierzu animiert.

Mit Anna aus den Niederlande lernte ich einen Gast kennen, der auch in seinem Heimatland aktiv ist z. B. in der Friedensbewegung engagiert, also weltliche Probleme in den Glauben mit einbindet.
Für mich ist es gut zu wissen, ob Atheist oder gläubig, dass es junge Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, dass alle Menschen unabhängig von Religion und Nationalität friedlich zusammenleben sollten.
Am praktischen Beispiel wurde aufgezeigt: es gibt viele Wege des Vertrauens und vor allem es ist möglich.

Eine interessante Zeit zwischen Weihnachten 2011und Neujahr und 2012.

Evelin Pakosta